Um klar zu sehen, genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung

Antoine de Saint-Exupery

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20.01.2021 - ETWAS ERSTMALS 

Anlässlich eines Seminars anfangs November wird uns die Frage gestellt, welche Moment in unserem Leben ganz speziell waren und uns heute noch in Erinnerung sind. Ich erstelle eine beinahe endlos erscheinende Liste mit den unterschiedlichsten Erlebnissen. Für mich ist es beeindruckend zu sehen, was ich in meinen knapp 48 Lebensjahren bereits alles erleben durfte, was ich heute noch als „Big Moments“ bezeichne. Es fällt mir aber auch auf, dass viele diese Erlebnisse solche waren, die ich zum allerersten Mal erleben durfte. So erinnere ich mich sehr gerne an meine erste grosse Reise alleine nach Amerika, meinen allerersten Marathon in Köln, meine erste wahre Liebe, mein erster Arbeitstag beim aktuellen Arbeitgeber, und an noch vieles mehr.

Diese Gedankenreise in die Vergangenheit hat mir Tür und Toren geöffnet und mir bewusst gemacht, dass ich auch in Zukunft noch viele Dinge zum allerersten Mal erleben will. Ich bin mir sicher, dass genau solche Erlebnisse prägend sind und auch Ansporn geben, im Leben immer wieder etwas weiter zu kommen, den Horizont zu erweitern und an sich selber zu wachsen.

Und so kommt es, dass ich mir letzte Woche zum allerersten Mal aus eigenem Antrieb eine Langlaufausrüstung miete und kurz darauf auch bereits auf einer Loipe stehe und gleich 12km im klassischen absolviere. Ich weiss, dass mir diese 90min wohl sehr lange in Erinnerung bleiben werden und ich immer wieder mit einem Lachen im Gesicht darauf zurückblicken werde.

Nur schon in unserem nahen Umfeld bietet uns die Welt stets so viel Neues, immer und immer wieder, aber oftmals bleiben wir beim Alten und wissen gar nicht, was wir dadurch verpassen, wenn wir Neuem mit Skepsis und Ängsten begegnen. Klar, neue Dinge zu erkunden oder in Angriff zu nehmen, heisst auch, die uns so liebe Komfortzone zu verlassen. Doch nur so können wir uns persönlich weiterentwickeln und an uns wachsen. Und das Tolle daran ist, wir werden unsere künftigen allerersten Male später im Rückblick nie und nimmer bereuen.

Wann hast du letztmals etwas zum ersten Mal gemacht?

Wäre toll, wenn du erstmals ein paar Worte im Gästebuch hinterlassen würdest - vielen Dank.

 


13.01.2021 - WARTEN 

Ist das Leben ein Wartesaal? Die meisten von uns warten, wobei viele nicht wissen, dass sie warten und worauf sie warten.

Ich spule ein paar Tage zurück. Wir wissen zumindest, dass wir am besagten Tag ganz sicher spazieren gehen werden. Ein Tag ohne Bewegung draussen an der frischen Luft ist für mich wie stundenlanges Fernsehen - beides absolut nicht vorstellbar. 

Nach dem Frühstück warten wir zuerst mal ab, wir warten auf die Sonne, die uns den Spaziergang bei der aktuellen Bisenlage etwas angenehmer gestalten soll. Es ist nicht ein Warten im eigentlichen Sinne des Wartens, des sich die Zeittodschlagens, nein vielmehr ist es gut genutzte Wartezeit. Ja, Warten darf man getrost auch als angenehme Zeit betrachten, auch wenn das Wort und die Tätigkeit "Warten" aus der Vogelperspektive eher negativ gefärbt ist.

Ich realisiere, dass das heutige Thema ein Fass ohne Boden ist, es gäbe so unglaublich viel über das Warten zu schreiben. Gestatte mir drum, zu Beginn dieses Jahres hier in einem positiven Licht über das Thema zu philosophieren. 

Obschon ich eher ein ungeduldiger Zeitgenosse bin, habe ich mir die schönen Seiten des Wartens verinnerlicht. Oftmals sind wir nicht in der Lage, etwas an der Situation zu ändern, wenn wir warten müssen. Wir sind nicht in der Lage, die Ampel manuell von rot auf grün umzuschalten, es ist uns nicht möglich, eine Verspätung in der S-Bahn ungeschehen zu machen, wir können einen Menschen nicht zu uns beamen, der einen Termin vergessen hat und dadurch 30 min später kommt. Also warten wir und was tun wir denn da genau? Genau, meistens nicht die grossen Sprünge. Aber wir hätten die Möglichkeit, dies zu ändern und die guten Seiten all dieser Situationen zu erkennen. Wie wäre es, anstatt sich über die Warterei beim Rotlicht zu ärgern, sich mal ganz bewusst auf das Musikstück im Radio zu konzentrieren? Wie wäre es, die Zeit bis zum Eintreffen des verspäteten Zuges zu nützen, um einfach ein paar Schritte zu gehen? Wie wäre es, anstatt sich über den unzuverlässigen Menschen zu ärgern, sich Gedanken zu machen, wie ich ihn trotzdem ganz freundlich und wohlwollend, ohne Wut und Tadel, begrüssen werde?

Das Warten gibt uns stets unzählige, oftmals auch unverhoffte Gelegenheiten, mal etwas zurückzulehnen, etwas zu tun, was wir ohne das Warten bestimmt nicht tun würden.

Drum dies heute einfach als kleine Anregung für einen verspäteten Neujahrsvorsatz: Gib der Warterei die Gelegenheit, unverhofft aufkommende freie Zeit sinnvoll zu nutzen.

Auf was hast du heute schon warten dürfen? Warte nicht mit deiner Antwort und schreibe sie ins Gästebuch :-)

 


06.01.2021 – EIGENTLICH TRIFFT ABER 

Eigentlich hatte ich für diese Woche ein anderes Thema auf der Liste, aber ein besonderer Moment hat mich dazu bewogen, euch die Kollegen Eigentlich und Aber vorzustellen.

Die beiden kennen sich schon sehr lange und treffen sich täglich mehrmals, meist bei gemeinsamen Tätigkeiten. Obschon beide Typen ganz unscheinbare Gestalten sind, die wir stets gerne zu Wort kommen lassen, haben die Beiden sehr oft unterschiedliche Ansichten und Meinungen. Ein Vergleich zu einem Magneten ist sehr passend, beide sind gleich gepolt, dadurch stossen sie einander von aussen betrachtend eher ab. Umso überraschender ist zu vermerken, dass sie sich so oft treffen.

Eigentlich ist der Macher-Typ, eher scheu und zurückhaltend. Zumindest in seinem Kopf braut sich stets etwas zusammen, seine Ideenvielfalt ist, um es gelinde auszudrücken, praktisch grenzenlos und er treibt sich immer wieder selber an, um ins Handeln zu kommen und seine Ideen umzusetzen. Seltsamerweise steht er sich jedoch selber im Weg, wenn konkrete Aktionen folgen sollten. Eigentlich kann in diesen Momenten voller Tatendrang und Energie im Nu wieder in sich selber zusammenfallen. Wie er selber immer wieder deutlich sagt, sei die aktuelle Situation doch ganz ok, es passe schon, Eigentlich müsse da eigentlich nichts unternehmen oder verändern. Die grosse Leidenschaft von Eigentlich ist die Komfortzone und er liebt seinen inneren Schweinehund über alles. Nie würde er ihm widersprechen, zu gross ist sein Respekt vor ihm.

Eigentlich hat es nicht immer einfach mit Aber. Aber gibt offen zu, dass es in seiner unmittelbaren Nähe nicht immer ganz einfach sei. Aber ist sich voll und ganz bewusst, dass er sehr oft der Spielverderber ist, auch wenn er vieles ganz gut meint. Ja, sein Verhalten ist oft sehr fraglich, denn er denkt tendenziell nicht so offen positiv wie Eigentlich, vielmehr sieht er stets Gründe und Ausreden, um sich von einer Handlung fernzuhalten. Ja, Aber hat gewisse Charakterzüge vom Miesepeter, wie er oftmals aus dem Hintergrund agiert. Weil er immer und immer wieder so handeln, merken es die ihm nahestehende Personen gar nicht mehr, wie sehr Aber ihnen auf den Geist geht.

Bei den gemeinsamen Spaziergängen im Wald geht Eigentlich lieber ein paar Meter vor Aber. Dass Aber Eigentlich so meist nur von hinten sieht, stört Aber nur wenig, schliesslich hat am Ende Aber wieder bessere Argumente auf Lager, um Eigentlich zum Nichtstun zu veranlassen.

Ich persönlich kenne die beiden von früheren Begegnungen, wir haben uns zwar in letzter Zeit immer mehr auseinandergelebt und treffen uns kaum noch. Dafür habe ich inzwischen einen besseren Kontakt zu Konkret und Und. Die beiden waren mir gleich sehr sympathisch, ihr Charakter entspricht viel eher jenem von mir selber. Gerne kann ich euch diese beiden Kollegen in den nächsten Wochen etwas besser vorstellen.

Ich bin mir sicher, Eigentlich und Aber freuen sich bestimmt auf einen kleinen Gruss im Gästebuch - vielen Dank von ihnen an dich.



30.12.2020 – DAS JAHR, DAS WAR  

Was bleibt dir besonders in Erinnerung vom Jahr 2020? Wie hast du dich persönlich seit anfangs Jahr verändert?

Noch vor 366 Tagen konnten wir es uns nicht in den kühnsten Träumen ausmalen, was uns im 2020 geschehen wird. Jeder von uns hat das Corona-Jahr anders erlebt, die Ausgangslage war sehr individuell geprägt.

Vom Lockdown über das Home Schooling bis zum Home Office, von der Kurzarbeit über die unvergesslichen WC-Papier-Hamsterkäufe bis zu den ausgedehnten Spaziergängen, vom R-Wert über den Pandemieplan bis zur Impfung, von Mister Corona Daniel Koch über das Maskentragen bis zu Bundesrat Alain Berset, von den neu entdeckten Kochkünsten über die Gewichtszunahme bis zum Bewegungsmangel, von den neu gesteckten Zielen über die Entschleunigung bis zur unerträglichen Langeweile, von Fragen über Antworten bis zu neuen Fragen. Es fällt einem nicht leicht, die schier endlos erscheinenden Facetten dieses Jahres unterzubringen und klar einzuordnen, so verschiedenartig sind sie ausgefallen.

Ich will dieses Jahr absolut nicht schönreden. Einerseits erlebte ich auch Tage, an denen vor allem im Kopf einfach nichts ging, ich mich in Gedanken einhüllte und den Virus einfach als besiegt sehen wollte. Zudem ist mir völlig bewusst, dass sehr viele Menschen haderten und wirklich schlimme Zeiten durchmachen mussten oder noch immer müssen. Andererseits bin ich auch total überzeugt, dass es unsere Wahrnehmung ist, wie wir das rund um uns herum sehen und was wir daraus machen. Ich meine, dass es jederzeit und überall auch eine positive Seite zu einem vermeintlich negativ wahrgenommenen Thema gibt. Es ist unser Mindset, der uns in eine Richtung des Denkens lenkt. Wir haben also die Wahl zu entscheiden, ob wir das Glas lieber halb voll oder halb leer sehen.

Zum Schluss dieses Jahres ermutige ich dich, auch in einem dunklen Tunnel den Blick nach vorne zum Tunnelausgang zu richten, wo das Licht wieder zum Vorschein kommen wird. Das hilft dir bei der Bewältigung einer allfälligen Krise. Und denke daran, du entscheidest, wie du die Dinge sehen willst. Versuche drum, deinen Fokus auf die schönen und positiven Dinge im 2021 zu lenken, denn dadurch gehst du viel zufriedener durchs Leben.

In diesem Sinne wünsche dir alles Gute im neuen Jahr, und ich freue mich auf weitere Geschichten jeden Mittwoch, die ich hier mit dir teilen darf.

23.12.2020 - BESINNUNG  

Weihnachten steht mit weit geöffneten Türen vor uns. Es wird heuer ein Fest sein, das manche vielleicht nicht als solches sehen können oder wollen. Die aktuelle Lage verhindert das Zusammenkommen von vielen Menschen im gewohnten Rahmen, auch im trauten Familienkreis beim gemeinsamen Singen, bei der Bescherung mit den Geschenken und schlussendlich beim Fondue Chinoise, beim Raclette oder beim Weihnachtsbraten. Wohl wir alle müssen nun etwas umdisponieren, flexibel sein und am Ende einfach akzeptieren, dass auch Weihnachten 2020 zumindest teilsweise dem COVID zum Opfer fallen.

Sind wir aber mal ganz ehrlich mit uns. Weihnachten sind für viele von uns auch verbunden mit Einkaufsstress, Stress bei / mit der Familie, zu vielem Essen, zu vielen Verpflichtungen? Die Liste kann sicher noch beliebig erweitert werden.
Daher liegen nun die Vorteile bei all jenen, die Weihnachten eben mit solchen Bildern verknüpfen. Weniger Kontakt mit anderen Menschen kann den einen oder anderen Konflikt verhindern. Die Chancen sind gegeben, nicht über Tage sich der Völlerei hinzugeben und der Terminkalender ist plötzlich frei von gewohnheitsbedingten Verpflichtungen mit Besuchen hier und Einladungen da. Voilà, Weihnachten können also unter den momentanen Umständen auch ganz tolle Nebeneffekte haben, nicht?

Versuchen wir einfach die positiven Effekte von Weihnachten 2020 zu sehen. Die kommenden Tage geben uns die Gelegenheit, mal wieder etwas mehr Zeit mit uns zu verbringen, in Ruhe und ohne Ablenkung durch den gestressten Weihnachtsalltag.

Ich bin mir so sicher wie das Amen in der Mitternachtsmesse, dass wir schon bald auf Weihnachten 2020 zurückschauen werden und denken: Das waren seit Jahren die besinnlichsten Weihnachten, die wir erleben durften.
Was wir heute als eher bedrückend anschauen, wird uns im Rückblick von einer positiven Seite erscheinen.

In diesem Sinne wünsche ich dir ganz frohe Weihnachtstage.

 


16.12.2020 - UNPLUGGED  

Zunächst ein grosses Dankeschön an alle Kreativen unter euch, die mir am vergangenen Wochenende ein Blog-Thema zur Verfügung gestellt haben. Rund 10 Rückmeldungen durfte ich erhalten und schlussendlich fiel die Wahl auf "unplugged" (zu gut deutsch: ausgesteckt). Hierzu ein herzliches Dankeschön an Fränzi G. (ich hoffe, ihr konntet den Wein geniessen).

Wan hast du schon mal den Stecker ziehen müssen?

Anfangs letzter Woche bin ich tief versunken in einem grossen Gedankenkarussells betreffend der Weiterführung meines Coachingstudiums. Ich wälze die verschiedenen Argumente hin und her, auf und ab. Mehrere Wochen spielt sich täglich das ähnliche Schauspiel in meinem Kopf ab. Ich entscheide mich schlussendlich, endgültig und definitiv Nägel mit Köpfen zu machen und mich demnach offiziell anzumelden. Ich freue mich schon heute auf den März 2021, wenn ich wieder an mir arbeiten und mich persönlich weiterentwickeln darf.
Dieser Schritt der endgültigen Entscheidung ist mir letzte Woche nur gelungen, weil ich endlich den Stecker gezogen habe, den Stecker, der meinem Hirn dauernd die Energiezufuhr gewährleistet hat, um mich weiter im Hamsterrad meiner Gedanken zu drehen. In der «unplugged» Version seiner selbst, so bin ich mir sicher, muss man sich mehr auf sich selber fokussieren, da eine Abnabelung von der Aussenwelt stattgefunden hat. Und genau solche Momente sind ungeheuer wertvoll, um sich für neue Schritte nach vorne entscheiden können…. Voilà, so einfach.
Daher bin ich überzeugt, dass es immer wieder Sinn macht, den Stecker zu ziehen, auf "off" zu schalten oder zumindest in den Standby-Modus zu gehen.

Welche Leitung nach aussen hast du kürzlich gekappt?

Für welche Momente gehst du gerne in den «unplugged» Modus?

Gerne lese ich deine Antwort wie gewohnt in meinem Gästebuch.

Ich wünsche dir eine Woche mit vielen "unplugged" Momenten.

 


09.12.2020 - SCHNEE

Hast du den ersten Schnee auch schon geniessen können? Die ersten Schneebälle durch die Luft geworfen? Oder vielleicht warst du auch schon Erbauer vom ersten Schneemann 2020/2021?

Dieses Jahr ist er früh und teils sehr intensiv vom Himmel gefallen, der Schnee, das wunderbare Weiss im Winter. Während unserer Ferien im Engadin ist es am Donnerstag draussen noch mehrheitlich braun, du weisst schon, so das typische spätherbstbraun. Aber dann, am Freitag in der Früh ist schon alles weiss gepudert und bis zu unserer Heimfahrt am Samstag liegen bereits rund 60cm Neuschnee. Ich habe mich total auf diese Schneemassen gefreut, um gedankenverloren im Tiefschnee spazieren zu gehen. Ach, wunderbar ist diese Stimmung, die Ruhe, es hat etwas sehr Meditatives. Nur zum Langlaufen bin ich in den Ferien nicht mehr gekommen, obschon ich mich so darauf gefreut habe. Ich hätte es mir noch lange in diesem schönen Winterwunderland vorstellen können. Stattdessen fahren wir wieder ins Unterland und kaum angekommen, vermisse ich bereits den Schnee. Und dies beim Gedanken, dass wir unsere Novemberferien normalerweise an der Wärme in der Ferne und nicht im kalten Engadin verbringen.

Manche von euch mögen sich bei den obigen Sätzen nun mit grosse Augen fragen, ob diese Aussagen wirklich von mir sind? Von Lukas, der sich immer wieder gerne und wortreich über den Winter ausgelassen hat? Von dem, der dem Winter nichts, aber auch gar nichts abgewinnen konnte?

Ja, ich war bis vor ein paar Jahren nicht gut auf den Winter zu sprechen, zu viel Schnee, zu kalt, zu kurze Tage und sowieso. Inzwischen habe ich mich selber eines Besseren belehren lassen und sehe auch im Winter die positiven, schönen Seiten. Und es ist so einfach, sich einfach um 180° zu drehen, denn es beginnt im Kopf und wenn der Dreh mal draussen ist, dann fällt einem praktisch jede Situation einfacher. Das Klagen und Jammern über Dinge, die wir ohnehin nicht ändern können (Paradebeispiel Wetter) geht praktisch auf null zurück. Und wenn das Klagen und Jammern trotzdem anhält, dann ist es höchste Zeit, etwas dagegen zu unternehmen.

Bei welchem Thema hast du dich über die letzten Jahr um 180° geändert? Trag dich einfach mit deiner Antwort im Gästebuch unten ein :-)

Luzia Gerber
11.12.2020 09:40:49
Bin vom eher Spätaufsteher zum Frühaufsteher geworden. Dein Blog gefällt mir sehr gut :-)

Paul Weber
09.12.2020 22:01:51
Toller Text, danke für die Inspiration, Lukas

 


02.12.2020 - WEGWEISER

Du kennst das sicher…. Du stehst an einer Weggabelung und weisst nicht recht, in welche Richtung es weitergehen soll?

Im Oberengadin auf einer Wanderung von Silvaplana nach Maloja passieren wir den abgebildeten Wegweiser. Ein Wegweiser mit nur zwei Richtungen, aber ohne Angabe einer Destination. Zum Glück wissen wir die Himmelsrichtung, die wir gehen müssen, um an unser Ziel zu gelangen und folgen so dem Wegweiser nach Süden. Am Ende erreichen wir trotz viel Sonnenschein, aber aufgrund der Engadiner Winterkälte etwas müde unser Ziel auf dem Malojapass.

Dieser besagte Wegweiser ist für mich ein wunderbares Symbol für uns Menschen. Wie oft stehen wir an einem Punkt in unserem Leben, wo wir einen neuen Weg einschlagen müssen, Gründe dazu gibt es unzählige, aber das Ziel ist für uns alles andere als bekannt. Deshalb ist es wichtig, zumindest eine Himmelrichtung zu haben, was wir im Leben noch wollen, um dem Ziel trotz allem einen Schritt näher zu kommen, sonst bleiben wir wie angewurzelt beim Wegweiser stehen und kommen nicht weiter.

Grundsätzlich darf ich sagen, dass ich Wegweiser über alles mag. Mir haben es vor allem die gelben Wanderwegweiser angetan, die sehr pflichtbewusst an so unendlich vielen Positionen in der Schweiz platziert sind. Sie sind äusserst zuverlässig und haben mich nie im Nirgendwo stehen lassen. Aber ich finde es genau so toll, einfach mal loszugehen, ohne klares Ziel, um irgendwann irgendwo anzukommen. Und genau so sehe ich es persönlich, ich brauche immer wieder neue Ziele, die ich erreichen will. Ein zuverlässiger Wegweiser hilft mir dann, das Ziel auch zu erreichen, aber es darf ebenso gerne mal vom Weg abgegangen werden, um einen Umweg zu gehen. Ja, auf einer Autobahn ist dies kaum möglich, man muss in der Spur bleiben und ja, man ist hier oft einfach auch zu schnell unterwegs und schätzt es zu wenig, wenn dann ein Ziel erreicht ist.

Was ist dein Lieblings-Wegweiser? Und wohin führt dich dieser?

 


25.11.2020 LECKEREIEN

Natürlich freute es mich auch diese Woche wieder, eine Antwort von euch zu erhalten auf die Frage ganz am Ende dieses Blogs :-)

Läuft euch beim Gedanken ans Essen auch das Wasser im Mund zusammen?

Letzte Woche treffe ich mich zu einem Klassentreffen in der Miniaturausführung. Zusammen mit Rosi und Markus, die ebenfalls vom Kanton Thurgau in den Kanton Zürich ausgewandert sind und mit denen ich von 1980 – 1989 die Schulbänke der Primar- und Sekundarschule in Egnach gedrückt hatte, geht es zum Afghanen in Zürich zum Essen.  Auf eine kulinarische Reise nach Afghanistan habe ich mich bisher noch nie eingelassen, umso grösser ist die Vorfreude, meinem Gaumen den Horizont damit zu erweitern. Schnell kommen wir zum Schluss, dass es zur Vorspeise die Mezze Platte sein soll, eine gemischte Platte mit allen Köstlichkeiten des Restaurants drauf. Wow, 1. was für eine tolle Idee, auf nur einem Teller alle Leckereien zu präsentieren und 2. wow, wie war das himmlisch lecker. Wirklich nichts gegen einen Teller „Ghackets mit Hörnli“, aber in Sachen Variantenvielfalt ist diese Mezze Platte echt ein Hammerschlag. Nur schon der Gedanken zurück an diesen Abend lässt mir das Wasser im Mund zusammen laufen.

Zugegeben, ich tendiere auch immer öfter zu „weniger ist mehr“, aber man darf getrost auch Ausnahmen machen, vor allem wenn es um die afghanische Mezze Platte geht.

Und solange das „weniger“ steht für materiellen Besitz, Geld und alles, was wohl langfristig ohnehin nicht zufrieden macht und das „Mehr“ stellvertretend steht für Bewusstsein, Zeit, Mut, Lebensfreude, Sinnhaftigkeit, …. ja, dann bin ich sehr schnell und gerne bereit, dieses Statement zu unterschreiben.

Wo trifft bei euch das „weniger ist mehr“ zu?

 


18.11.2020 TRAUMWELT

Der Deal gilt auch diese Woche noch.... Nachdem du diesen Blog gelesen hast, würde ich mich sehr auf deine Antworten zu den Fragen am Ende freuen......Viel Spass....

Auch ihr habt Wüsche und Träume, wahr, oder?

Es sind nun rund 15 Jahre her, als wir im Volkshaus in Zürich an einem Vortrag teilnehmen, bei dem zwei Velofahrer von ihrer Tour rund um die Welt berichten. Kaum haben sich in meinem Kopf die ersten Berichte und Bilder niedergelassen, sind sie auch schon in meine tiefe Überzeugung gedrungen, dass ich genau so was ähnliches auch machen will – die Welt mit dem Velo bereisen. Die Gedanken lassen mich nicht mehr los, plötzlich ist der Entscheid gefallen: Ich reise nach Neuseeland und werde das Land auf zwei Rädern und nur mit meiner Muskelkraft erkunden. Ich fokussiere mich ab diesem Moment auf dieses Ziel, es gibt kein Zurück, da will ich hin. Ohne Wenn und Aber kündige ich meinen Job, gebe die Wohnung auf, buche den Flug und so beginnt im November 2006 die Reise, die kein vordefiniertes Ende hat. Noch heute sage ich, dass es «the best time ever» war in meinem Leben.

Wie ich 6 ½ Monate lang einfach die Tage nehme, wie sie sich mir bieten, realisiere ich, dass es neben unserem festgefahrenen Alltag wahrhaft noch eine andere Art Leben gibt. In diesem halben Jahr habe ich sehr viel gelernt, worauf ich heute immer wieder zurückgreifen kann.

Fast täglich werde ich auf der Reise von anderen Reisenden angesprochen, wie ich dies denn mache? Sie würden ja auch so gerne einfach mal länger unterwegs sein… und dann folgt eine lange Liste von Gründen, wieso sie es doch nicht umsetzen wollen oder können. Keine Zeit, kein Geld, kein Mut, zu viel Angst, zu grosse Unsicherheit, mangelnde Motivation, …..Kommt euch das irgendwie bekannt vor?

Ich ertappe mich selber immer mal wieder, wenn ich mir zwar etwas vornehme und dann das Wörtchen «aber» alles wieder zunichtemacht. Offenbar sind dann meine Beweggründe einfach zu schwach, um den ersten Schritt zu machen und um schlussendlich mein Ziel zu erreichen.

Ganz bewusst ohne «aber’s» habe ich mir wieder neue Ziele gesetzt, um weitere Wünsche und Träume wahr werden zu lassen. Sollte sich dennoch ein «aber» stark machen wollen, dann ersetze ich es ganz einfach durch ein «und» und schon gehen wieder neue Türen auf.

Was sind eure Wünsche und Träume?
Wann seid ihr mit einem «aber» euer eigener Spielverderber?

 


11.11.2020 TANKSTELLE WALD

Machen wir einen Deal? Nachdem du diesen Blog gelesen hast, beantwortest du mir die Frage ganz am Schluss? Würde mich echt freuen, einfach nur ein Wort von dir zu lesen. Also, dann viel Spass......

Hast du dir das auch schon mal bewusst überlegt?

Es gibt immer wieder die Momente in unserem Leben, da fühlen wir uns total ausgelaugt, antriebslos und haben dabei das Gefühl, einfach keine Energie mehr zu haben. Was machen wir mit einem Auto, das nur noch einen Tropfen Benzin im Tank hat und welches wir im Spargang fahren? Genau, wir suchen die nächstgelegene Tankstelle auf, um den Tank wieder zu füllen, damit wir wieder das volle Potential aus dem Auto schöpfen können.

Aber was machen wir mit uns selber? Sehr oft machen wir genau das Gegenteil, anstatt tanken zu gehen. Wir bringen kein Bein mehr vor das andere, legen uns hin, machen etwas, was unsere Trägheit noch mehr ins Bodenlose zieht. Aber hey, wir alle funktioniere wir ein Auto. Wir müssen auch unsere Energiereserven immer wieder auffüllen. Einerseits brauchen wir die materielle Energie in Form von Nahrung, aber wir brauchen auch die mentale Energie, damit unser Hirn wieder in Schwung kommt.

Bei mir geht das mit Bewegung äusserst gut, das Ankurbeln des Kreislaufs bewirkt total befreiend, der Kopf wird mit Sauerstoff geflutet, im Körper wird Dopamin freigesetzt. Das alles trägt positiv dazu bei, sich sehr schnell wieder fit und aktiv zu fühlen. Und wenn ich die Bewegung im Wald umsetze, dann wirkt dies beruhigend auf mich und der Duft des Waldes erhöht unweigerlich meine Stimmung. So ist der Wald unumstritten meine bevorzugte Kraft- und Enrgiequelle.

Wo tankst du immer mal wieder auf?


04.11.2020 BAUCH GEGEN VERSTAND 1-0

Anfangs November, unsere Wetterhistoriker schreiben den wärmsten Tag des aktuellen Monats seit Messbeginn. Mein schon länger geplanter arbeitsfreier Montag passt also perfekt, um noch einmal eine Wanderung im Alpstein zu unternehmen.

Tage zuvor laufe ich endlich mal wieder Kilometer-Zeiten, die ich seit anfangs Jahr nicht mehr für möglich gehalten hätte. Eine Diagnose im Januar nach dem MRI an meinem rechten Knie lässt mich beinahe in Tränen ausbrechen. Da ist so einiges futsch und ich sehe meine Läuferkarriere schon am Nagel baumeln, meine Laufschuhe für irgend eine Charity nach Afrika verfrachtet. Aber ich spreche zu meinem Knie: Hey, diese Challenge nehmen wir auf, das bringen wir schon wieder hin. Es wird etwas dauern, aber so leicht lassen wir uns nicht unterkriegen. Abgemacht?» Das Knie geht die Abmachung freudestrahlend ein, der Blick in eine Zukunft mit dem schönsten Sport der Welt ist damit geebnet. Pflichtbewusst absolviere ich seither täglich meine Physio-Übungen und praktiziere Pilates. Und siehe da, dem Knie und auch meiner Moral geht es zusehends besser. Und ja, am Wochenende habe ich zweimal frohlockt, die beiden Läufe am Samstag und am Sonntag sind wie ein Befreiungsschlag, ohne Schmerzen, hohe Pace. Das Läuferleben ist zurück. Trotzdem, an die ganz grossen Distanzen wage ich mich noch nicht, ganz im Sinne von «Gut Ding will Weile haben». 

Zurück auf den Tag danach. Wir stehen nun also auf dem Kronberg auf 1663 m über Meer. Wir wissen es beide, den Berg zu Fuss raufzugehen ist zwar leicht anstrengender als der selbe Weg downhill, aber es ist auch schonender für unsere in die Jahre gekommenen Körper. Dennoch entscheiden wir uns entgegen aller Vorkenntnisse, Erfahrungen und der Vernunft, dass wir nach dem Lunch auf der Sonnenterrasse heute zurück nach Jakobsbad wandern, als bergabwärts. Na ja, nach den ersten Minus-Höhenmetern spricht auch schon das recht Knie in forschem Ton mit mir: «Hey Lukas, meinst du das ernst mit diesem bergabwärts wandern? Wenn ja, dann bin ich nun so richtig gemein mit dir, du sollst nur wissen, was ich davon halte». Das Knie meint es tatsächlich so und stichelt bei jedem Schritt mit einem Messerchen. Wir können uns erst wieder versöhnen, als der Weg uns auf flacherem Gelände Richtung Jakobsbad führt.

Inzwischen geht es dem Knie wieder gut – dennoch spannend, wie wir uns mal für mal gegen unsere Vernunft und unseren Verstand entscheiden. Was können wir dagegen tun? Leave it, change it or love it…. Doch dazu bei Gelegenheit in einem späteren Beitrag.      

Hast du auch so ein Beispiel? Ich freue mich, etwas von dir zu lesen :-).

 


28.10.2020 WALDRAND

Seid ihr auch immer wieder fasziniert?

Am Wochenende, man kann bei diesem angenehm warmen Herbstwetter kaum anders, sind wir draussen auf einem schönen Spaziergang mit Start und Ende bei unserer Haustür. Bei direkter Sonneneinstrahlung öffnen sich die Poren der Haut blitzartig, Schweiss treibt aus ihnen heraus. Dann, ein paar Meter weiter, im Schatten der wunderbar farbigen Bäume, ist es auch schon wieder kühl, der Schweiss reduziert ebenfalls die Temperatur und man beginnt zu frösteln. Ich liebe die wechselhaften Bedingungen im Herbst, so fühle ich mich lebendig und vergisst so vieles, auch Corona.

Der Herbst ist auch die Jahreszeit der Ernte, die Bauern bringen alle Arten von Angepflanztem aus ihren Äckern rein, Pilzfreunde füllen ihre geflochtenen Körbe mit den Delikatessen aus unseren Wäldern und Hobbygärtner sind bemüht, noch die restlichen Erträge aus ihrem Garten zu ernten. Doch da sind auch noch die Waldränder, wo ebenfalls Pflanzen wachsen. Hier fühlt sich die Hagebutte sehr wohl. Ich bin ehrlich, das war mir bis anhin nicht wirklich bewusst, wohl auch, weil ich kein Freund der Hagebutten bin, sei es in Form von Konfitüre noch als Tee. Nichts desto trotz, wir beginnen, die kleinen roten Früchtchen, übrigens der Familie Rosengewächse zugehörend, reihenweise zu ernten. Anfangs bin ich Helfer, indem ich die stacheligen Äste so herrichte, dass meine Partnerin die Hagebutten locker ernten kann. Langsam komme ich auch in den Flow vom Erlebnis des Erntens und beginne selber zu pflücken. Ja, das hat was, etwas meditatives, beruhigendes, erfüllendes… etwas, das zufrieden macht. Stolz bringen wir einen vollen Sack dieser roten Kügelchen nach Hause.

Nun liegen die Hagebutten an der warmen Luft beim Dörren, ehe sie dann späten für manch eine Tasse Tee aufzubrühen. Und wer weiss, vielleicht entwickle ich sogar auch Freude am Trinken von Hagebuttentee, nachdem ich selber dieses Naturprodukt geerntet habe.

 Ja, es ist bereichernd, wenn man mit offenen Augen durch die Natur geht. Es ist unerschöpflich, was uns alles angeboten wird, kostenlos und in bester Qualität. Das Gute kann so nahe und gleich um die Ecke liegen. Und wenn dies mit einem schönen Spaziergang verbunden werden kann, dann fehlt mir absolut nichts.


21.10.2020 KIRCHE VON WASSEN

Was kommt euch beim "Chileli von Wassen" in den Sinn?

Aufgrund der Corona-Situation verbringe ich zusammen mit einem Kollegen einen Freitag und einen Samstag in unserer Sonnenstube, dem Tessin. Wir entscheiden uns, bequem mit dem Zug hin- und auch wieder zurückzureisen. 

So kommen wir beide erstmals mit dem neuen Gotthard-Basistunnel in Berührung. Na ja, wir sitzen einfach im Zug, wie er mit 200km/h durch das 57km lange Loch braust. 20 Minuten lang nur ein schwarzes Nichts, wenn man aus dem Fenster schaut. Nebst dem Wissen, von Erstfeld bis Bodio relativ zügig durchs Bergmassiv zu fahren, ist da absolut nichts, was unser Herz höher schlagen lässt. Klar, dadurch erreichen wir den Kanton Tessin unglaublich schnell, aber wo bleibt auf dem Weg dahin das legendäre "Chileli von Wassen" und das Erlebnis der Gotthard-Panormastrecke?

Klar, die Geschwindigkeit hat ab und zu gewisse Vorteile, aber es geht dabei auch immer etwas verloren. Man verpasst viel Schönes, was uns die Natur, die Menschen, einfach allgemein alles rund um uns herum bietet. In einem von Hektik geprägten Leben ist es wichtig, wenn immer möglich, auf den Schildkrötengang runter zu schalten, um nicht zu viel zu verpassen.

Für mich ist klar, bei der nächsten Zugreise ins Tessin wähle ich wieder den längeren Weg über die Gotthard-Panoramastrecke, um wie ein kleines Kind einmal, zweimal, dreimal das "Chileli von Wassen" zu bestaunen.

 


14.10.2020 BAUARBEITEN

Kennt ihr das auch, dass die Nerven ab und zu blank liegen können?

Zürich Downtown an einem normalen Dienstagabend, mein Zug nach Fehraltdorf, mit Busanschluss noch Rumlikon, fährt pünktlich um 22:04h ab. Stets up to date mit dem SBB-App sehe ich, dass heute mit der S3 in Effretikon Endstation ist. Bauarbeiten an den Gleisanlagen zwingen alle Passagiere, in Effretikon auszusteigen und auf den Bahnersatzbus umzusteigen. Wie immer ist das vorbildlich organisiert und lässt in seiner Zuverlässigkeit andere Länder erblassen. 

So steht er da, der Bus, man sucht sich einen freien Platz, findet ihn, freut sich, dass es nach einem langen Tag nun auf die letzte Etappe Richtung Wohnort geht. Wir sind alle sehr überrascht, als uns der Buschauffeur mitteilt, dass er erst in einer halben Stunde fährt. Da unsere S3 Verspätung hatte, konnte der reguläre Bus um 22:23h nicht mehr länger auf uns warten und fuhr bereits seinem Ziel Wetzikon entgegen. 

Ab diesem Moment beginnt mir der unschuldige Chauffeur Leid zu tun. Da prasseln Worte auf ihn nieder, was sein Kollege für ein .... und .... sei, weil er die S3 nicht abgewartet habe. Die Stimmung im Bus lädt sich zu einem Gewitter auf, ich fühlte mich wie in einem falschen Film. Ich wende mich etwas ab, zücke das Handy und stelle fest, dass ich nun, ja, diese halbe Stunde im Bus warten müsste, dann in Fehraltorf nochmals eine halbe Stunde und so um 23:48h zu Hause sein würde.

Klar frohlocke ich nicht ob dieser Tatsache, aber ich kann die Situation nicht ändern. Anstelle mich dem Wortfeuerball der anderen Passagiere anzuschliessen, fälle ich den Entscheid, die restlichen 7km einfach unter die Füsse zu nehmen. Kaum hat sich die Frustration im Bus etwas gelegt, stehe ich auf, verkünde, dass ich nun einfach zu Fuss gehe und erkundige mich, ob vielleicht jemand da ist, der mich bis Illnau begleitet.

Die erblassten Gesichter in diesem Bus werde ich so schnell nicht vergessen. Natürlich finde ich keine Begleiter, dafür viel Schweigen und zumindest jemand, der mir dabei viel Spass wünscht.

Diesen Spass habe ich, weil etwas Unerwartetes passiert ist und ich für mich das beste daraus gemacht habe. So wird mir dieser Nachhauseweg noch lange in Erinnerung bleiben. Ich frage mich, ob dies bei den frustrierten Fahrgästen wohl auch der Fall sein wird?

Und ja, am Schluss bin ich 10 Minuten früher zu Hause, als wenn ich auf die Karte Weiterfahren mit dem Bus gesetzt hätte.



07.10.2020 1 MEILE

Sind wir Menschen nicht alle, zumindest zeitweise, so?

Wow, heute nach meinem Lauf im Wald bescheinigt mir meine Sportuhr, dass ich in diesem Jahr meine bislang schnellste Meile gelaufen bin. Ein freudiges Lächeln zeigt sich in meinem Gesicht. Also doch, ich kann es noch, so wie früher zu meinen besten Zeiten. Das Lächeln ist mir übrigens auch jetzt, zwei Stunden später deutlich anzumerken, das beflügelte Gefühl wird mich noch den ganzen Tag begleiten.

Aber relativieren wir doch das Ganze mal: 6 Minuten und 24 Sekunden für eine Meile. Dieselbe Distanz lief der Marokkaner Hicham El Guerrouj am 7. Juli 1999 in Rom in sage und schreibe 3 Minuten und 43 Sekunden. Das sind Welten und somit macht es keinen Sinn, diesen Blog weiter zu schreiben....

Oder doch? Was habe ich gemacht? Aus reiner Neugier habe ich meine Leistung verglichen mit der Leistung von jemand anderem? Das Lächeln hätte mir bei diesem Vergleich vergehen können, aber zur grossen Freude ist es auch jetzt noch da.
Ich habe mich nämlich auch mit mir verglichen, mit meiner Formkurve anfangs Jahr mit einem sehr angeschlagenen Knie, ich wusste da nicht mal, ob ich je wieder laufen würde. Ich habe jeden Tag an mir gearbeitet, jeden Tag daran geglaubt, dass es wieder bergaufwärts geht und heute gab es das kleine Zückerchen als Belohnung. Es war nur ein kleiner Moment heute, der mich zum glücklichsten Menschen gemacht hat.

Ja, es war heute ein grosser Vorteil, mich mit mir selber zu vergleichen. Und ich meine, es ist generell ein Vorteil, sich nicht mir anderen zu vergleichen.




 


01.10.2020 KOCHLÖFFEL

Ist euch das auch schon passiert?

Wie jeden Dienstag liegt die Coop-Zeitung auch in unserem Briefkasten. Welcher schweizer Haushalt wird dadurch nicht berieselt mit unzähligen Aktions-Angeboten, Geschichten, Informationen über Produzenten, Kolumnen, Freizeit-Angeboten und vielem mehr? Und ja, genau, da sind auch die immer wieder leckeren Rezepte, die uns motivieren, selber in der Küche wieder aktiv zu werden, die Kochlöffel zu schwingen und etwas Muse beim Kochen zu erleben. Alles bekannt, oder?

Wir sitzen heute gemeinsam beim Frühstück, stimmen uns ab für den neuen Tag, wer, was, wie. Ihr kennt das, da bin ich mir sicher. Und wenn wir einen gemeinsamen Abend vor uns haben, dann steht das Thema Abendessen immer hoch im Kurs. Was soll’s heute geben? Mal geht’s total pragmatisch zu und her. Ein Blick in den Kühlschrank und der Menüplan steht. Heute aber werfen wir den Blick nicht in den Kühlschrank, sondern in die aktuelle Ausgabe der Coop-Zeitung. Bei meiner Partnerin läuft beim blossen Anblick des Menüs auf Seite 52/53 schon das Wasser im Mund zusammen, bei mir hält sich die Euphorie in Grenzen. Ich geben es zu, Birnen sind nicht so mein Ding. Aber hey, wieso auch nicht? Abwechslung macht das Leben süss.

Inzwischen, alle Zutaten soeben eingekauft und bereit, sich bekochen zu lassen, kommt die Bitte an mich, ob ich eventuell schon das eine oder andere in der Küche vorbereiten könnte. Für mich absolut kein Muss, denn die Küche ist mein Zuhause im Zuhause. Für mich als leidenschaftlicher Hobbykoch war das wie eine Erlösung. Ich darf in die Küche und gleich bin ich im Element, komme problemlos in den Cooking-Flow. Das Menü ist keine Hexerei, sehr rasch zubereitet, sieht toll aus und schlussendlich klopfe ich mir stolz auf die Schulter. Das Essen ist ein Traum, gemäss dem Vorschlag trinken wir auch noch einen leckeren Ripasso dazu.

Ist es nicht so, dass wir manchmal im ersten Moment die Nase rümpfen und am Ende kommt es doch ganz anders? Ich zumindest habe dies heute wieder auf eine ganz tolle, leckere Art und Weise erleben können.

Viel Spass beim Nachkochen und «En Guete».  




 


25.09.2020 GEGENSÄTZE


Ich liebe Gegensätze und damit auch die Abwechslungen in unserem Leben. Heute spüren wir einen klaren wettertechnisch bedingten Gegensatz zu den letzten Tagen. Auf angenehm warme Nachmittage anfangs dieser Woche hat heute in höheren Lagen bereits Frau Holle an die Tür geklopft. Bei uns im Flachland stand sie vielleicht auch vor der Tür, nur haben wir nicht geöffnet.  

Ich warte am Bahnhof aufs Postauto. Kaum bin ich drin, muss ich aus dem Fenster schauen, um bestätigt zu haben, dass Frau Holle wirklich noch nicht ins Wohnzimmer getreten ist. Ich kann es mir nicht anders ausmalen, aber zwei Mit-Passagiere besitzen wohl nur Kleider für den wärmsten und den kältesten Tag des Jahres.  Erstere sind heute sicher nicht angesagt, also durfte heute die 2. Garde angezogen werden. Aber echt jetzt? September… Winterschuhe, Daunenjacke, Schal und Kappe?

Ein externer Beobachter schlägt im Postauto die Augen noch intensiver auf als ich es tat, wie er diese beiden Eskimos sieht. Oder gilt sein bedauernswerter Blick womöglich mir, wie ich verschwitzt in kurzen Hosen und T-Shirt dastehe und kaum bin ich im Bus, zu frieren beginne? Zum Laufen war dieses Outfit ja gut und recht und auch während den zwei Minuten, bis der Bus angefahren kommt. Ja, zugegeben, ich wünsche mir in diesen 10 Minuten Busfahrt nichts sehnlicher, als mir genau diese Daunenjacke überzuziehen.  

Ansonsten sind wir trotz dem Kälteeinbruch dieselben geblieben. Im öV trägt jeder seine Maske und hey ja, jetzt wie es kalt wird, kann man der Maske tatsächlich positive Eigenschaften abgewinnen. Zumindest eine kleine Körperfläche, die sonst mehrheitlich zu 100 Prozent der Witterung ausgeliefert ist, wird nun zusätzlich gewärmt, mit eigener Abwärme. Wenn das nicht ökologisch und ein krasser Gegensatz ist zu den Tagen, also sich noch Eiskristalle an den Barthaaren bildeten. Das Problem ist nur, dass im freien, wirklich kalten Raum die Maske (noch) nicht getragen werden muss.  


21.09.2020  "KLICK"

Ist es euch auch schon so ergangen? Kommt euch das irgendwie bekannt vor? 


Mitte September, bei meinem täglichen Lauf durch die wunderschöne Region rund um meinen Wohnort Rumlikon im Zürcher Oberland, macht es plötzlich «Klick». Der Herbst macht um die Mittagszeit mit seinen noch leicht nebelverhangenen Wiesen und Feldern bereits deutlich darauf aufmerksam, dass er als dritte Jahreszeit auch im 2020 angekommen ist. Gleichzeitig drückt die Sonne durch das Grau und ich erlebe im laufenden Flow, wie sich der kühle herbstliche  Vormittag in einen warmen Spätsommernachmittag verwandelt.

Ich befinde mich am Waldrand kurz vor einer Wegkreuzung, spontan entscheide ich mich, nach links abzubiegen. Völlig unbewusst kommt nach dem Abzweiger in mir die Frage auf, wie sich denn nun diese Entscheidung zugetragen hat. Ich finde keine plausible Antwort. Bin ich bereits auf dem Heimweg-Modus? Will ich einfach von den wärmenden Sonnenstrahlen noch etwas mehr Energie tanken? Ahne ich sogar, dass ich durch meine Entscheidung einige Minuten später einen älteren Läufer treffe, mit dem ich ein paar Worte wechsle? Hat mich sonst etwas beeinflusst? Den Grund, wieso ich mich für «links» entschieden habe, werde ich nie erfahren. Aber es ist zu diesem Zeitpunkt die perfekte Entscheidung, wieso weiss ich nicht, der Bauch bestätigt es mir.

Diese kleine, unbewusste und vielleicht auch eher unbedeutende Frage an mich selbst, hat diesen «Klick» ausgemacht und ein grosses Feld an Gedanken vor mir geht auf.

Ich stehe nach 11km entspanntem Laufen unter der Dusche, geniesse das kühlende Wasser und aus dem «Klick» wird konkret eine Idee. Den ersten Schritt dieser Idee bist du hier am Lesen (übrigens: schön, dass du schon mal bis hierher durchgehalten hast :-).